so nun ist es soweit, wir sind wieder mal unterwegs.Dieses Mal haben wir uns entschlossen, dem Winter in Deutschland, ein Stück weit, Richtung Iberische Halbinsel zu entkommen. Es wird der erste große Test sein, in wie fern unsere ganzen Umbaumaßnahmen, sinnvoll waren. Aber dazu später mehr.

Wir haben also tatsächlich unsere Jobs gekündigt, welches für Claudia definitiv ein größerer Schritt war, nach über 30 Jahren im selben Unternehmen, mit den selben Kollegen und Kunden. Für sie war es ein zutiefst emotionaler Moment und das erste Abenteuer dieser Reise.

Ich hingegen ,bin da ja schon vor geprägt, durch mein unstetes Berufsleben, schliesslich habe ich 2018 vier Jobs gekündigt, also bin da wohl geübter.

Alles ist vorbereitet, entsprechende Stellen, Familie und Freunde sind informiert und ab geht die Post.

Der Plan ist wie immer das wir eigentlich planlos sind und somit offen für Überraschungen, so gefällt es uns am besten.Schliesslich haben wir unser Bett immer dabei und können bleiben wo wir wollen, solange wir wollen.

 

Erste Etappe.....schnell durch Deutschland am Neujahrs Morgen.Doch schon nach 70 Kilometer mussten wir spontan umdrehen ;-), da ich ein wichtiges Detail vergessen hatte in all der Aufregung. Meinen "Kulturbeutel"......mit für mich äusserst wichtigen persönlichen Utensilien.Klar man hätte alles neu kaufen können, doch für mich, stand der Aufwand und Verlust in keiner Relation, mit einem relativ kurzen Umweg zurück. Unsere Nachbarn die uns gerade erst verabschiedeten, staunten nicht schlecht. So Zahnbürste dabei ? jetzt aber.......

 

Deutschland ? Check......Luxembourg ? Check.........France ? .....langsam langsam, wir sind auf Reisen nicht auf der Flucht.

Wir beenden letztlich die erste Etappe irgendwo in der Pampa, kurz vor Dijon. Wir sind einfach irgendwo links abgebogen und haben einen Platz oberhalb eines kleinen Berges gefunden und unsere erste kalte Nacht in unserem gemütlichen Schlafdach verbracht, die Investition hat sich jetzt schon gelohnt. Was soll ich sagen, keine Menschenseele oder irgendein Auto oder sonst etwas, hat unserer Nachtruhe gestört. Aufgewacht........schon recht früh, so gegen 5 Uhr. Für mich ein cooles Gefühl, um die Zeit aussehen zu dürfen und nicht zu müssen, weil der beschissene Wecker rappelt. Also irgendwo an der Strasse ein paar Pain au Chocolat und zwei Minikaffee und weiter immer Richtung Süden........

 

Nächste Etappe schlappe 600 km , ohne einen Cent an Autobahngebühren, immer schön Nationalstrassen, bis nach Les Cabanes des Fleury, am Mittelmeer in der Nähe von Narbonne. Wir haben es noch geschafft einen Strandspaziergang zu machen, bei dem uns der Wind eigentlich hätte jegliche Müdigkeit aus dem Kopf blasen müssen, doch wir sind todmüde in unsere Koje gefallen. Kleine Randbemerkung, günstiger weise hatten wir genug Diesel im Tank und mussten nur einmal in Frankreich tanken......sauteuer,1,50 € und mehr, keine Seltenheit und die Gelbwesten haben uns eigentlich durch ganz Frankreich begleitet, was in diesem Zusammenhang plausibel wurde. Es waren seltenst irgendwelche Aggressiven Hooligans....ganz im Gegenteil. Am nächsten Morgen weckt uns die Sonnen, das erste mal. Doch von Wärme keine Spur. Die Doggys gepackt ab an den Strand.....Wir sind an der Küste und Luft und Licht lassen alle vorangegangenen Anstrengungen abfallen. Eigentlich mit die schönste Erfahrung auf unseren Reisen ist, die Erkenntnis, wie wenig wir brauchen um Happy zu sein, ein warmes Bett ein heisser Kaffee am Morgen, lecker Baguette ,Sonne und die Ungewissheit was der Tag so bringt.

 

Ach ja, da es für uns wichtig ist, möglichst ohne Trubel und Menschenansammlungen zu reisen, werden wir um Große Städte stets einen Bogen machen und Barcelona ist die erste dieser Kategorie. Sicher ihr werdet sagen," wie ? jetzt seid ihr schonmal da und schaut es euch nichtmal an ? " .Ganz ehrlich Claudia und ich waren noch nie die Kulturreisenden und nicht wirklich an sogenannten Sehenswürdigkeiten der Zivilisation interessiert, abgesehen davon stellt es immer ein nicht ganz unerhebliches Risiko dar, sein Fahrzeug sicher abzustellen. Die Doggys sind auch keine Stadtfreaks und gestresst von einer Attraktion zur nächsten zu hetzten um sich in den Pulk andere Touristen einzureihen die irgendwelche beknackten "ich war hier Selfies"  schiessen, ist für uns zutiefst befremdlich. Wir suchen die Ruhe und Inspiration in der Natur, je weniger unser Artgenossen um so besser und wir haben die Hoffnung auch in Südeuropa, diese Plätze zu finden.

 

Noch ne kleine Anekdote , wir waren irgendwo bei Perpignan in einem Shop, um noch ein Fahrradschloss zu kaufen und als wir raus kamen, sah ich mit Erschreckendes unser vorderes Nummernschild auf Halbmast hing und nur noch von einer Schraube gehalten wurde. Was für ein Glück im Unglück. Ich möchte mir garnicht ausmalen, was für ein Aufwand es geworden wäre, hätten wir es verloren. Ich habe es mit vier Schrauben erneut gesichert und bis jetzt hält ;-) 

 

Unsere erste Station in Spanien dann ist , Parque del Natural Cap de Creus. Was für ne Enttäuschung, landschaftlich zwar ganz schön, jedoch keine Möglichkeit sich irgendwo zu platzieren um diese auch ungestört zu geniessen. Jeder Zentimeter dieser zerklüfteten wilden Küstenregion, ist bebaut und mit Verbotsschildern übersät. Dann gibt es für uns nur die Möglichkeit in Roses, auf einem Wohnmobil Stellplatz zu nächtigen. Immerhin gibt es die erste warme Dusche unserer Reise. Wir entschliessen uns, am nächsten Morgen weiter zu ziehen, da es uns hier  gar nicht gefällt. Sieht es an der ganzen Küste so aus? ist unser Traum vom unbeschwerten Reisen, mit wenig bis gar keinen Menschen in weite Ferne geraten ?

Wir fahren weiter, etwas gedrückt aber nicht hoffnungslos. Immer Richtung Süden, an Barcelona vorbei, immer der Küste entlang. Auch in Spanien ist unser Navi mit der Information gefüttert, Mautpflichtigen Strassen zu meiden und das funktioniert einfach super und ist natürlich bei Weitem interessanter. Es verschlägt uns ins Ebre Delta, einem recht großen Flussdelta. Ein Feuchtgebiet in dem sehr viel Reis angebaut wird und uns kommt der Gedanke auf , das es in Chinesischen Reisfeldern  ähnlich aussehen muss. Wer auf Vogelbeobachtung steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Flamingos, Reiher jeder Couleur und riesige Schwärme unserer Singvögel, die am Himmel wahre Kunstwerke kreieren, kann man hier beobachten. Und da ist sie, die unbeschwerte Leichtigkeit, ein fast Menschenleere Stellplatz , an einem Kilometerlangen Strand, mit riesigen Dünen, den wir uns nur mit zwei drei anderen teilen. Wir verbringen hier drei Tage mit stundenlangen Wanderungen hinaus auf eine Halbinsel, die nur aus Dünen und Sand bestand. Am Ende ragt ein Rotweißer Leuchtturm und markiert das Ende der Peninsula. Kurz nochmal zu den Temperaturen, es hat tagsüber durchaus 15 bis 18 Grad in der Sonne auch wärmer, Nachts allerdings geht es bis kurz vor den Gefrierpunkt runter und unsere Standheizung läuft Morgens und Abends. Trotzdem ist es sehr gut auszuhalten, denn die Sonne lacht und wir haben es schön kuschelig in unserem Camper. Es ist für uns purer Luxus , Abends die Kerzen an zu zünden was leckeres zu essen und das ein oder andere Tröpfchen zu geniessen, wie gesagt was braucht der Mensch mehr.

 

Getankt, für sagenhafte 1.01 Euro und das Auto von den Salzresten Deutscher aber vor allen Dingen Französischer Autobahnen befreit. Wir bleiben im Delta, verlagern unser Camp allerdings nach Amposta, dort führt eine Kilometerlange, nur etwa 100 meter breite Landzunge, zu einer Halbinsel auf der Salz abgebaut wird. Wir also hin und endlich mal auch Sandpisten fahren. Einfach herrlich, hörte sich komisch an, aber ich liebe Pisten fahren und nutze jede Gelegenheit dies zu tun. Ich will mal behaupten das ich mir auf unseren Trips, zB. in der Wüste Marokkos , einiges an Offroad Kenntnissen angeeignet habe, Luftdruck senken usw. aber unseren Bulli kenne ich noch nicht so gut und somit weiss ich noch nicht genau zu was der im Stande ist.

Da ist es passiert, kurz mal Links abgebogen und die drei Tonnen haben sich in den Sand gebuddelt. Der Nachteil unseres modernen Fahrzeugs, stellt sich in dieser Situation unmissverständlich raus. Keinerlei Möglichkeit manuell einzugreifen.

Elektronischer Allrad, keine Differenzialsperren, keine Untersetzung und keine Hilfe weit und breit. Es gibt also keine ander Möglichkeit, als sich selbst wieder zu befreien. Einiges an weggeschafftem Sand und Kupplungsbelag später haben wir es dann tatsächlich geschafft, uns Rückwärts wieder aus dieser Situation zu befreien und uns selbst gefeiert.

Nächstes Update fürs Auto, Allterrain Reifen mit fetterem Profil.

Es hat dann letztlich einige Tage gedauert bis der Gestank der abgerauchten Kupplung wieder verflogen ist. Ich denke ihre Lebensdauer hat sich um ein paar Tausend Kilometer minimiert. 

 

Das alles tut der Schönheit dieses Fleckchens aber überhaupt keinen Abbruch und wir bleiben und genießen jede Sekunde. Auch hier stehen wir fast ganz alleine, soweit ich es gesehen habe sind da nur wenige weitere Camper zu sehen. Absoluter Geheimtip für alle die auf Sand stehen. Allerdings vermag ich mir kaum vorzustellen was hier im Sommer los ist .

 

Im Morgengrauen verabschieden wir uns. Es ist einfach herrlich, seine Bedürfnisse auf normale Art befriedigen zu können. Du gehst schlafen wenn du müde bist, steht auf wenn du wach wirst, isst wenn du Hunger hast usw. Es ist schon erschreckend, wie weit diese einfachen Dinge, aus dem Gleichgewicht geraten in unser aller Alltag. Nur so am Rande.

Wir fahren in den Parque Natural de Sierra d`Irta, direkt zwischen Barcelona und Valencia. Ein wunderschöner Landstrich direkt an der Küste. Wir wandern, biken, laufen durch eine wunderschöne Landschaft mit tollen Buchten und bergigem Hinterland und alles bei strahlendem Sonnenschein. Mir liegt es fern hier anzugeben, aber Claudia und ich sind halt echte Bewegungsfreaks und freuen uns über jede Gelegenheit dem nachzugehen, tun dies mit großer Freude und haben es auch schon immer getan, bei all unseren Reisen. Noch ein schöner Nebeneffekt, zusätzlich zu dem, das die "alten" Knochen beweglich bleiben, man lernt die Gegend  super kennen und wird ständig überrascht. So krabbeln wir Abends immer schön kaputt in unsere Koje und selten wird es später als 22 Uhr. Ach ja wir stehen hier auf einem Campingplatz, der erste unserer Reise und die zweite Dusche. Ihr denkt bestimmt, was für Stinker, aber uns fällt es nicht auf ;-). Trotzdem ist es ein schönes Gefühl frisch duftend ins Bett zu gehen. Auch Waschtag war angesagt und mein Schatz hat sich um unsere Klamotten gekümmert. Ein kurzes Statement dazu ? Da wir eigentlich auf all unseren Reisen immer zuviel ungenutztes Zeug mitgeschleppt haben und dazu gehören vor allen Dingen Klamotten, von denen man meint, das man sie eventuell vielleicht zu braucht, sie aber letztlich doch unberührt wieder mit nach hause nimmt, waschen wir öfter die Sachen die wir lieben und sowieso immer tragen. deshalb heisst jeder Campingplatz Duschaufenthalt, auch Waschtag. Wir pflegen hier also uns selbst und unsere Ausrüstung und geniessen jede Minute davon. Herrliches Fleckchen Erde. Wir sind bis jetzt echt überrascht und beeindruckt wie abwechslungsreich, sich uns Spanien präsentiert.

 

Wir machen uns auf den Weg landeinwärts. Als Kontrast zur Küste werden wir immer wieder auch das Landesinnere aufsuchen um wandern zu gehen. Als Ziel hat sich Claudia den Parque Natural de las Hoces del Cabriel ausgesucht. Das war ne super Wahl. Wir fahren über gut ausgebaute Strassen durch endlose Weinplantagen ins hügelige Hinterland. An einem Stausee, biegen wir auf eine steinige Piste ab die uns nach mehreren Kilometern zum Eingang dieses Parks bringt. Der Parkplatz am Start zu allen von hier ausgehenden Wanderungen ist unser Nachtquartier. Arschkalt hier ,das erste mal Minus Grade Nachts und Claudia schläft mit einer Mütze. Wir sind offen Schläfer, auch zu Hause ist bei uns immer ein Fenster geöffnet, egal wie kalt und die Heizung natürlich aus. Wir brauchen den Sauerstoff . Am nächsten Morgen dick eingepackt und los marschiert. Und wieder, eine  völlig andere Landschaft mit Pinien roten Felsen kreisenden Geiern. Nachmittags wurden wir dann mit fast 20 Grad in der Sonne verwöhnt und saugen die Stille dieses Ortes in uns auf. Leider wurde der Genuss getrübt, da unsere Lilu, mal wieder, trotz schon mehrfacher schlechter Erfahrung, von einer Biene gestochen, direkt ins Maul, da sie ja immer nach ihnen schnappt. Völlig bedröppelter Hund und sorgenerfüllt verbringen wir eine weitere kalte Nacht hier, schon recherchierend wo der nächste Tierarzt ist. Das bleibt uns Gott sei Dank erspart, denn am nächsten tag geht es Lilu besser. Wir machen noch einen Hike morgens, bei berauschendem Licht in dieser wunderschönen Landschaft und brechen glücklich und zufrieden auf, in neue Abenteuer.

 

Übrigens erweist sich unser Bulli, als absolut entspanntes Reisemobil und och gewöhn mich langsam daran ih auch etwas härter ranzunehmen, immer mit bedacht aber dennoch konsequent. Wir fahren jede Piste und scheuen keine noch so heftige Steigung um die Plätze zu erreichen, die wir uns in den Kopf gesetzt haben. Wie gesagt ich bin extrem vorsichtig doch mit jedem Tag wächst meine Kenntniß und somit mein vertrauen in die Technik. Der Kupplungsgestank hat sich mittlerweile verabschiedet und so wie es aussieht sind wir mit einem blauen Auge der Situation im Delta entkommen. Die Kupplung rutscht nicht bei Volllast und trennt nach wie vor problemlos, einzig im ersten Gang beim Anfahren merkt man einen kleinen Schlupf. Ach ja, das Steuergerät unserer Standheizung hatte sich aufgehängt, nach dem intensiven Gebrauch dort oben und funktionierte nicht mehr. Dieses ließ sich schnell lösen, durch Trennung der Batterie. Wir sind also wieder voll funktionsfähig. Anmerkung : trotz voller Beladung ca 3 Tonnen, Hochdach und bergiger Passagen, liegt unser durchschnittlicher Verbrauch selten über 9 Liter Diesel, was wir als äusserst wenig betrachten, bedenkt man die Umstände. 

 

Nach einem kurzen Zwischenstop in Pinoso, auf einem englischen Campingplatz machen wir uns ausgeruht frischgeduscht und aufgetankt , auf den Weg nach Andalusien/Tabernas. Als wir ankommen ,sind wir erstaunt und enttäuscht zugleich. Landschaftlich genau unser Ding. rechts und links der Strasse zeigt sich ein uns vertrautes und geliebtes Bild von Sandstein und Staub in allen erdenklichen braun grau und hier und dort auch grünlichen Tönen. Wir hatten ja gehört, das es hier einige verlassene Film Kulissen geben soll und hatten die Hoffnung auf Pisten Exkursionen in die "Wüste" zu machen. Das war erstmal nichts, denn es entpuppt sich hier als Tourifalle mit "Fort Bravo" "Fort Texas" usw..... eigentlich ist jeder schöne Fleck zum Pseudo Hollywood missbraucht worden, einschliesslich Betontippi. Wir sind zu tiefst traurig darüber und fahren frustriert weiter. Nach ca 20 Kilometern war sie dann da, die Erlösung. Claudia hatte einen Stellplatz recherchiert, der geiler nicht hätte sein können. Fernab der mainstream Touri Wüste, fanden wir unseren Sehnsuchtsort. In Mitten ehemaliger Kulissen von Stanley Cubricks Exodus, standen wir mehrer Tage unter Palmen und Sternen. Absoluter Tip für alle die dort einmal mit ihrem Camper unterwegs sein sollten. Es erfordert allerdings ein wenig Mut und Vorsicht die steil herabfallende Steinpiste, dorthin zu befahren , aber es lohnt sich in jedem Fall. Für uns bleibt es nicht der letzte besuch hier, wir kommen später noch einmal zurück.